Kunstmuseum Tallinn

Tallinn – UNESCO Weltkulturerbe & digital Hotspot

Das nächste Projektmeeting Office 21 des Fraunhofer IAO findet vom 11.7. bis 13.7.2018 in Estlands Hauptstadt Tallinn statt. Was uns in dem Start-Up-Hub mit historischer Kulisse erwartet?

Digitales Estland In Tallinn verbinden sich historische und moderne Architektur ebenso wie jahrhundertealte Hansetradition und Start-up-Kultur. Und als „Partyhauptstadt Europas“ und Vorreiter in Sachen Digitalisierung gilt das wirtschaftliche, politische und kulturelle Zentrum Estlands ebenfalls. Etwa 430.000 der circa 1,3 Millionen Esten leben dort.

Tallin, damit verbinden sich als erstes meist Assoziationen wie die russisch-orthodoxen Zwiebeltürme der Newski-Kathedrale aus der Zarenzeit oder die Altstadt mit ihren pittoresken, spitzgiebligen Kaufmannshäusern, dem spätgotischen Rathaus und allem, was zum Ensemble des UNESCO Weltkulturerbes zählt. Doch inzwischen haben Tallinn und Estland weit mehr zu bieten als historische Bauten aus unterschiedlichsten Zeiten.

Der Weg in die Zukunft begann nach der Auflösung der UdSSR. Estland etablierte ein liberales Wirtschaftssystem mit auch für Unternehmen attraktiven Steuersätzen, das große Namen wie Ericsson oder Philipps anzog. Parallel wurden modernste Telekommunikationsstrukturen aufgebaut und verwaltungstechnisch alle Voraussetzungen geschaffen, um auch junge Unternehmen und Start-ups anzusiedeln. Mit ihrem „E-Residency-Programm“ spricht Estland explizit EU- und Nicht-EU-Bürger an, ihr Unternehmen in Estland etablieren; die Firmengründung dauert etwa eine halbe Stunde. Darüber hinaus unterstützen 13 Acceleratoren die Start-ups mit Coachings und bringen Unternehmen mit Investoren zusammen. Ganz offenbar mit Erfolg: Nicht nur „Skype“ wurde hier entwickelt, vielmehr gilt Tallinn inzwischen als Hotspot für Start-Ups aus ganz Europa.

 Digitaler Vorreiter

Die Basis dafür liefert der hohe Grad der Digitalisierung. Lettland gilt als digitaler Vorreiter. Im europaweiten Vergleich liegt das Land in den Top Ten des Digital Economy and Society Index (DESI).* Das zeigt sich auch im täglichen Leben. Wer in Estland beispielsweise einen neuen Ausweis beantragen, sich ummelden oder eine Firma gründen möchte, loggt sich einfach mit seinem Personalausweis bei der entsprechenden Behörde ein und los geht’s. Wer sich mit seinem Smartphone außerhalb der Wohnung mit dem Internet verbinden möchte, kann auf unzählige WLAN-Spots zugreifen – die Abdeckung liegt bei 99 Prozent. Das Recht auf Internet ist sogar in den estnischen Grundrechten verankert. Bereits in den Grundschulen werden die Kinder mit der Digitalisierung vertraut gemacht, mit allen Vor- und Nachteilen. Dazu gehört auch das Thema Datensicherheit. Hier wird Transparenz großgeschrieben. Jeder kann idealerweise sehen, wer wann Zugriff auf seine Daten hatte, und hat die Möglichkeit, bestimmten Institutionen den Zugriff zu verweigern.

Architektur auf dem Weg ins nächste Jahrtausend

Die wirtschaftliche und digitale Entwicklung hat inzwischen auch Tallinns Architektur transformiert. Der Kontrast zwischen Alt und Neu verleiht der Stadt ihr ganz besonderes Flair. In den letzten Jahrzehnten hat sich eine eigene zeitgenössische Architektur entwickelt. Moderne Materialien wie Beton oder Glasfasern verbinden sich mit Holz, Lehm oder Stein und modernsten Technologien. Ein Beispiel dafür ist das Museum für estnische Kunst, fertiggestellt 2006 und eines der größten Kunstmuseen in Nordeuropa. Es ist seiner natürlichen Umgebung angepasst und scheint sich für den Betrachter aus der Erde zu erheben.
Darüber hinaus zeichnet sich die tallinnische Gegenwartsarchitektur dadurch aus, dass alte und neue Gebäude miteinander verschmolzen werden. So eröffnete 2012 das Schifffahrtsmuseum in einem ehemaligen Hangar für Wasserfahrzeuge aus dem Jahre 1917. Im ehemaligen Industriegebiet Rotermann ergänzen sich moderne Gebäude und alte Fabriken innerhalb eines innovativen Gesamtkonzepts. Ein weiteres Beispiel ist das Entdeckungszentrum Energia und das Kreativzentrum Kultuurikatel, die in einem ehemaligen Kraftwerk Raum gefunden haben.

Impressionen aus Tallinn folgen nach unserer Entdeckungsreise.

* Die Studiendaten sind hier veröffentlicht: https://bit.ly/1UPeUWV.