Yvonne Farrell und Shelley McNamara – Meisterinnen der Moderne

Teil 15 der Plateau RED-Reihe „Inspirierende Persönlichkeiten der Architektur“

Yvonne Farrell and Shelley McNamara, photo courtesy of Alice Clancy

Yvonne Farrell
*1951
Irische Architektin

Shelley McNamara
*1952
Irische Architektin

Der Pritzker-Preis 2020 geht an das Architektinnen-Duo Yvonne Farrell und Shelley McNamara. Sie „kreieren Räume, die gleichzeitig respektvoll und neu sind“, begründete die Hyatt-Stiftung ihre Wahl.

Mit Farrell und McNamara werden erst zum dritten Mal Frauen mit dem Pritzker-Preis, dem „Oscar der Architektur“ ausgezeichnet, der seit 1979 alljährlich verliehen wird. „Der Pritzker-Preis feiert architektonisches Talent, und dieses Jahr ist es eine ganz besondere Feier, weil die Gewinner nicht nur Vorzüglichkeit in ihrer Arbeit repräsentieren, sondern uns auch dazu auffordern, auf die vielen, vielen Frauen zu schauen, die rund um die Welt als Architektinnen arbeiten“, betonte auch Martha Thorne, geschäftsführende Direktorin des Pritzker-Preises und Dekanin der School of Architecture and Design an der IE University in Madrid, im Rahmen ihrer Laudatio.

Universita Luigi Bocconi, photo courtesy of Alexandre Soria

Moderner Architektur und kommunikative Begegnung
Farrells und McNamaras Werke widmen sich der Frage, wie öffentlicher Raum funktioniert, wie man privaten und öffentlichen Raum verbinden kann und wie man sich in ihm begegnet. Gerne deuten sie dafür Funktionen bestimmter Gebäudeabschnitte um: So werden aus Balkonen und Treppenhäusern Orte, die über ihre jeweilige Funktion hinaus zur Kommunikation und zum gemeinsamen Verweilen einladen. Gleichzeitig stehen die Bauten von Farrell und McNamara aber auch in der Tradition der klassischen Nachkriegsmoderne.

Yvonne Farrell (*1951 in Tullamore, Irland) war in den 1990ern Mitglied der Gruppe 91, die für die Erneuerung des vom Abriss bedrohten Dubliner Stadtteils Temple Bar verantwortlich war. Shelley McNamara (*1952 in Lisdoonvarna, Irland) war viele Jahre als externe Prüferin an der Universität Cambridge und der London Metropolitan School of Architecture tätig. Die beiden Irinnen lernten sich beim Architekturstudium am University College Dublin (UCD) kennen und lehrten dort anschließend als Dozentinnen, später als außerordentliche Professorinnen im Fachbereich Architektur. Auch nach der Gründung ihrer Agentur Grafton Architects blieben sie der Lehre treu und unterrichteten an der Accademia di Architettura di Mendrisio (AAM) und der École Polytechnique Fédérale de Lausanne (EPFL). Zudem sind Farrell und McNamara als erste weibliche Architekten gewählte Mitglieder der bedeutendsten irischen Kunstorganisation „Aosdána“.

Grafton Architects
Yvonne Farrell und Shelley McNamara gründeten 1978 mit drei weiteren Partnern das Architekturbüro Grafton Architects in Dublin. Ihre Gebäude zeichnen sich durch große,

Universita Luigi Bocconi, photo courtesy of Federico Brunetti

sichtbare Beton- sowie harte Ziegelflächen und offengelegte Konstruktionen aus. Für die Wirtschaftsfakultät der Bocconi-Universität in erhielten sie auf dem World Architecture Festival 2008 den Preis in der Kategorie „Gebäude des Jahres“. Für die Universidad de Ingeniería y Tecnología (UTEC) in Lima verlieh ihnen das Royal Institute of British Architects (RIBA) eine Auszeichnung für das „beste neue Gebäude der Welt“.
Spätestens 2018 wurden die Architektinnen auch international sichtbar, als sie die Architekturbiennale in Venedig unter dem Motto „Free Space/Freiraum“ kuratierten und dazu auch ein Manifest veröffentlichten. Darin definieren sie Freiraum als „Freigebigkeit des Geistes, als Mut zu einem neuen Denken, zugleich als Sinn für Menschlichkeit und Grundlage der Architektur“. Die Architektur sehen sie als „eine der komplexesten und wichtigsten kulturellen Aktivitäten auf dem Planeten.“

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