Dancing in the streets …

Teil 18 der Plateau RED-Reihe „Inspirierende Persönlichkeiten der Architektur“

Frank Owen Gehry (geboren Frank Owen Goldberg)
*28. Februar 1929 in Toronto, Kanada
Kanadisch-US-amerikanischer Architekt und Designer

Frank Gehry wird im Februar 92 Jahre alt – und lässt noch immer die Gebäude „tanzen“

Seine Gebäude fallen auch architektonischen Laien auf und hinterlassen nachhaltigen Eindruck: die dekonstruktivistischen Kreationen des kanadisch-amerikanische Architekten Frank Gehry. Man erzählt, dass er schon als Kind gern mit seiner Großmutter an seinen ersten Häusern und Städten gebastelt habe – aus Holzresten des großväterlichen Eisen- und Haushaltswarenladens. Er blieb seiner frühen Neigung offenbar treu und studierte an der University of Southern California Architektur und anschließend Stadtplanung an der Harvard Graduate School of Design. 1962 gründete Gehry mit 33 Jahren sein Architekturbüro Gehry Partners, LLP, welches er bis heute leitet.

Dekonstruierte Designs aus einfachen Materialien

Tanzendes Haus in Prag, Tschechien , © Avala/Flickr


Vielleicht inspiriert von der Erinnerung an seine kindlichen Bauten, wendet sich Gehry in den 70er Jahren von konventionellen Plänen und Materialien ab und einfacheren und „ärmlicheren“ Materialien wie Wellblech, Maschendraht oder Sperrholz sowie anderen alltäglichen Gegenständen zu. Daraus lässt er Kreationen entstehen, die sich durch gebrochene Geometrie, kippende Räume, kurzum durch eine dekonstruktivistische Formensprache auszeichnen. Seine Werke bewegen sich an der Grenze zwischen Kunst und Architektur, zwischen Gebäude und Skulptur. Für diesen ungebrochenen Willen zu experimentieren und festen Kategorien zu trotzen erhielt er 1989 den Pritzker-Preis.

Seine Entwürfe, so sagt man, „denkt er mit den Händen – indem er Papier oder Papier zerknüllt, zerreißt und wieder zusammenfügt. Um aus diesen komplexen geometrischen Figuren stabile Gebäude entstehen zu lassen, wird eine aus der Luft- und Raumfahrtindustrie stammende 3-D-Software eingesetzt. Sie ermöglichte auch die goldene Fischskulptur, die für das Olympische Dorf 1992 geschaffen wurde und eine der Attraktionen Barcelonas bleibt. Die ineinandergreifenden, vergoldeten Edelstahlbänder werden von einer Metallstruktur getragen. Je nach Sonnenstand und Wetterbedingungen wechselt der Fisch seine Farbe.

Guggenheim Bilbao, © MykReeve

Der Bilbao-Effekt

Fest mit dem Namen Gehry verbunden ist der Bilbao-Effekt, der sich erstmals im Zusammenhang mit dem Guggenheim-Museum in Bilbao zeigte. Gehry stellte dieses ausgewöhnliche Bauwerk 1997 fertig, das eine geradezu magische Anziehungskraft entwickelte: Es hatte einen messbaren revitalisierenden Effekt auf die Wirtschaft und Kultur der Stadt und bewirkte, dass Bilbao sich von einer Industriestadt zu einer modernen Kulturstadt entwickelte. Diesen Einfluss, den architektonische Kunstwerke auf den Wert und die Wahrnehmung einer ganzen Stadt haben können, wird inzwischen als Bilbao-Effekt bezeichnet. In den folgenden Jahren haben einige Städte versucht, diesen Effekt zu wiederholen. Als Voraussetzungen dafür gelten zentrale Lage, die Nähe zu Gewässern sowie eine innovative, provokativ-spektakuläre Architektur.
Gehry selbst gelang es noch an anderen Orten, solche Leuchtturm-Gebäude zu erschaffen. Zum Beispiel mit der Walt-Disney-Konzerthalle in Los Angeles oder dem kontroversen Museum der Popkultur in Seattle. Noch im Bau befindet sich das Guggenheim in Abu Dhabi.
Sein erster Bau in Europa war übrigens das Vitra Designmuseum in Weil am Rhein mit seiner skulpturalen Hülle aus weißem Putz und Titanzink.

Design als Lebensform
Neben der Architektur ist Gehry auch in anderen gestalterischen Bereichen aktiv. Er hat unter anderem eine Kartonmöbelserie namens „Easy

El Peix © Ad Meskens Wikimedia Commons

Edges“ und Bugholzmöbel entworfen. Seine Schmuckserie für Tiffany & Co. ist stark von der Fischform inspiriert, die an den olympischen Pavillon in Barcelona erinnert. Zwischen 1984 und 1986 entwickelte er die ersten Fischlampen mit Drahtarmaturen, ebenfalls in Fischform. Zudem hat Gehry auch mehrere Bühnenbilder für Opern und Orchester entworfen.
Keine Frage: Auch sein eigenes Wohnhaus hat er nach seinen Vorstellungen gestaltet und erhielt dafür 1980 einen Preis des American Institute of Architects.

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