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Wohnen im Hochhaus – die Lösung für den Verstädterungsboom?

Der Trend zur Verstädterung hält an. Bis 2050 werden 70 % der deutschen Bevölkerung in den Ballungszentren wohnen. Die Nachfrage nach Wohnraum steigt und damit auch die Mietpreise. Deshalb wird es für Investoren zunehmend interessant, nicht nur Bürotürme, sondern auch Wohnhochhäuser zu bauen. Ist das die stadtplanerische Lösung für die Zukunft?

Es gibt Befürworter der Hochhäuser und Gegner, die eher für eine horizontale Stadtplanung eintreten. Hochhausbegeisterte sehen in vertikalem Wachstum einen in Deutschland längst fälligen Kulturwandel, der unsere Städte nachhaltig prägen wird. Mikroappartments in Wohntürmen beispielsweise werden in vielen Ländern bereits stark nachgefragt von Geschäftsreisenden oder Fachkräften, die projektweise ihren Standort wechseln – und die Arbeitswelt von morgen wird noch mobiler werden. Aber dies ist nur eine Zielgruppe.

Stark im Trend liegen auch Penthäuser in der City, die allerdings nur für eine gutverdienende Klientel infrage kommen. Die sogenannte Urban Architecture versucht zum Beispiel, Wohnungsbau mit Natur zu verbinden und somit auch das innerstädtische Klima zu verbessern. Keine leichte Herausforderung, da die Pflanzen auch in luftigen Höhen wetterfest sein müssen und die Bewässerung aufwendig und teuer ist, ebenso wie die Pflege.  Ein berühmtes grünes Hochhaus gibt es bereits in Mailand: Mit 800 Bäumen sowie Nistplätzen für Vögel ist es ein absolut umweltverträgliches Haus, aber die Mietpreise sind exorbitant.

Um Wohnen im Hochhaus auch für Familien oder Senioren lebenswert zu machen, die sich kein Luxus-Penthouse leisten können, ist eine Herausforderung. Um die Fehler trister Hochhaussiedlungen der Vergangenheit zu vermeiden, sind neue Standortkonzepte mit multifunktionaler Durchmischung gefragt: Im Erdgeschoss lassen sich Geschäfte und andere zentrale Einrichtungen unterbringen. Außerdem bieten Hochhäuser genügend Raum für Gemeinschaftsflächen, wie Fitnessstudios, Terrassen, Spielplätze, Grünflächen etc. Garagen, Lagerräume und die Technik lassen sich ins Innere der Hochhäuser verlegen, um möglichst viele Wohnräume mit natürlichem Licht zu versorgen.

Die Frage ist, ob sich solch hochwertigen, gut ausgestatteten und begrünten Hochhaus-Kieze zu erschwinglichen Preisen erbauen und unterhalten lassen. Die Gefahr besteht, dass an den attraktiven Extras gespart wird und letztendlich moderne Plattenbauten entstehen, deren Mutation zu sozialen Brennpunkten vorhersehbar ist.

Deshalb sprechen sich manche Stadtplaner sehr bewusst für eine horizontale Entwicklung aus, die Stadtrandbezirke für anstehendes Wachstum fokussiert. Dort gibt es häufig noch bezahlbares Bauland. Allerdings sind auch hier innovative Ansätze und Ideen gefragt, um aus neuen Quartieren in Randlagen mehr als reine Wohn- und Schlaforte zu machen. Intelligente Mobilitätskonzepte können die Anbindung an die City sichern. Für zusätzliche Attraktivität sorgen eine lebendige Infrastruktur mit Einkaufs-, Freizeit- und Sportmöglichkeiten. Die Einrichtung von Coworking-Bereichen kann zudem eine Nutzungsdurchmischung fördern.

Also vertikales oder horizontales Wachstum? Letztendlich werden beide Wege beschritten werden, um die Herausforderungen der Zukunft zu bewältigen. Was letztendlich zählt, ist die Qualität der Umsetzung.